Braunschweig  Die Investoren planen um: Die alte Lagerhalle am Westbahnhof soll einem effizienteren Neubau weichen.

Von Florian Arnold
Braunschweiger Zeitung vom

 

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Der historische Giebel (links) soll bei einem Abriss des Lagergebäudes zugunsten eines Neubau erhalten bleiben. - Foto: Kleinschmidt

Es hat seinen eigenen, trutzigen Charme, dieses Graffiti-besprühte Lagergebäude aus Backstein aus dem frühen 20. Jahrhundert am früheren Westbahnhof im Westlichen Ringgebiet. Eigentlich waren die Investoren Manfred Neumann und Rainer Nötzel sehr angetan davon. Sie wollten die Lagerhalle kernsanieren, mittels einer Stahlkonstruktion neu überdachen und ihr Veranstaltungszentrum Westand im Bestandsbau errichten. Doch mittlerweile sie sind davon abgekommen.

„Wir planen nun einen Neubau“, bestätigt Manfred Neumann, hauptberuflich selbständiger Industriedesigner, unserer Zeitung. Ein Hauptgrund seien neue Energiesparverordnungen, die im Altbau kaum zu erfüllen seien. Zudem könne ein Neubau besser auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten werden.

Einer der künftigen Hauptnutzer soll der Verein „Kufa – Kultur für alle“ sein. Wenn Stadt und Investoren sich einigen, wird Kufa im Auftrag der Stadt etwa die Hälfte des rund 3000 Quadratmeter großen Westands als soziokulturelles Zentrum betreiben. Der Veranstaltungssaal in der für Kufa vorgesehenen vorderen Gebäudehälfte war bisher im zweiten Stock geplant. „In einem Neubau können wir ihn ebenerdig einrichten, was deutlich praktischer ist. Und wir sparen Raum, den wir sonst für ein großes Treppenhaus und Fluchtwege bräuchten“, erläutert Manfred Neumann.

Kulturdezernentin Anja Hesse, die für die Stadt mit den Investoren über die Einrichtung, Miete und den städtischen Investitionszuschuss für das geplante Soziokulturzentrum verhandelt, informierte jüngst den Kulturausschuss über die neuen Baupläne. Da das alte Lagergebäude nicht unter Denkmalschutz stehe, sei ein Abriss oder Teilabriss grundsätzlich unproblematisch, sagte Hesse unserer Zeitung.

Für die Stadt sei entscheidend, dass der städtische Zuschuss von 1,5 Millionen Euro plus 500 000 Euro für die Inneneinrichtung des Kufa-Bereiches nicht steige und dass der Raumbedarf der Kufa erfüllt werde. „Tatsächlich dürfte der Neubau für die Bedürfnisse von Kufa sogar günstiger sein“, so Hesse. Kufa-Vorstand Markus Wiener bestätigt das. „Im Altbau hätten wir viele Kompromisse schließen müssen.“

Einerseits. „Andererseits hängt unser Herz an dem alten Gemäuer und seiner Atmosphäre. Es wäre gut, wenn Teile der Fassade und vor allem der Giebel erhalten bliebe und man mögliche Einsparungen durch den Neubau dafür verwenden könnte“, so Wiener. Auch Investor Manfred Neumann sagte, der Erhalt von Teilen der Fassade werde angestrebt.

DAS IST GEPLANT

Das Westand soll zwei Projekte unter einem Dach vereinen: ein Soziokulturzentrum, das vom Verein Kufa im Auftrag der Stadt betrieben wird. Und eine Konzerthalle samt Proberäumen im hinteren Gebäudeteil, die privatwirtschaftlich geführt werden. Beide Projekte umfassen je 1500 Quadratmeter.

 

In der Politik stoßen die Neubaupläne ebenfalls auf Zustimmung: „Sie ermöglichen es, das Soziokulturelle Zentrum auf dem neusten Sicherheitsstandard zu errichten und gleichzeitig die Ästhetik des Gebäudes zu erhalten“, sagt die stellvertretende Kulturausschussvorsitzende Cornelia Seifert (SPD). Für die CDU erklärt Sebastian Kretschmann, dass die bessere Nutzbarkeit für den Neubau spreche. „Wichtig ist, dass keine versteckten Mehrkosten für die Stadt entstehen.“

KOMMENTAR

Jetzt oder nie

Ein wenig schade ist es schon, dass das lang ersehnte Soziokulturzentrum Westand durch einen zweckmäßigen Neubau an Aura einbüßen wird. Je mehr Fassade erhalten wird, desto besser. Ein uriges Ambiente ist kein unwichtiger Faktor für einen Ort, der ein Anziehungspunkt für möglichst viele (auch ehrenamtlich engagierte) Leute werden soll.

Entscheidend ist aber, dass das Westand überhaupt kommt. Dass die Investoren nun umplanen, deutet auch auf die Ernsthaftigkeit hin, mit der sie ihre Ziele verfolgen. Sie sind definitiv im Interesse der Stadt, die auf einen Streich den (derzeit fehlenden) Konzertsaal für rund 800 Besucher und ein soziokulturelles Zentrum erhalten würde, für die vergleichsweise geringe Investition von insgesamt zwei Millionen Euro.

Die Gunst der Stunde lässt das Interesse von Privatinvestoren und Stadt übereinkommen. Doch sie wird nicht ewig währen. Das Projekt sollte im Sommer in trockene Tücher gebracht werden, bevor mögliche neue Ratsmehrheiten oder weitere Sparzwänge einen Strich durch die günstige Rechnung machen.

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